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Wie das Bauhaus den Designgedanken reformierte

Als das „Staatliche Bauhaus in Weimar“ sollte die 1919 gegründete Kunsthochschule nicht nur in die Geschichte eingehen, sondern auch seine Protagonisten als Modernisierer damaliger Designphilosophien zu unvergessenen Ikonen werden lassen. Sie waren Kinder ihrer Zeit, die ihre Gelegenheiten beim Schopfe griffen und trotz unsicherer wirtschaftlicher wie politischer Vorzeichen eine Ära der Innovation einleiteten. Auch wenn das aufstrebende Deutschland von ihrem Schaffen profitierte, führte letztlich erst die Schließung der Hochschule durch die Nazis dazu, dass sich die zeitlosen Designs und ihre Künstler über den Rest der Welt erstreckten.

Deutsches Design als Zeichen einer aufstrebenden Nation

Im Jahr 1907 wurde mit der Gründung des Deutschen Werkbundes der Grundstein gelegt, um aus Übersee importierte Technologien und Elektrizität für die Gestaltung hochqualitativer, aber potenziell auch massenproduzierter Industriegüter nutzbar zu machen. Die bis dahin künstlerisch orientierten Gewerbeschulen der Preußen richten daraufhin Werkstätten ein und führen damit den ersten Schritt zur Verbindung von Handwerk und Kunst herbei, die Walter Gropius weiter befeuern wird. 

Das erstarkende Deutschland gewinnt an nationalem Selbstvertrauen: Deutsches Design findet sich in Produkten und der Infrastruktur von AEG, Bosch und Bahlsen wieder, die Auftragslage nimmt an Fahrt auf. Als jedoch der erste Weltkrieg ausbricht, entsteht eine Bewegung aus Kunstreformern, denen Walter Gropius vorsteht. Nach Kriegsende nutzt er die ihm gebotene Gelegenheit, die „Großherzoglich-Sächsische Hochschule für Bildende Künste“ zu übernehmen und gründet damit das Bauhaus.

Zu ihrer Zeit die modernste Kunsthochschule Europas

An der modernsten Kunsthochschule Europas, als die sich das Bauhaus ambitioniert selbst ausrief, wurden Professoren zu Meistern, Künstler automatisch auch zu Handwerkern. Die zuvor gezogene Grenzen zwischen den zwei Professionen sollte aufgehoben und die verbindende Bedeutung beider Schaffensformen herausgestellt werden. „Form follows function“ wird dabei zum Grundprinzip und Materialien wie Stahl, Glas oder Leder zu stilprägenden Elementen entwickelt.

„Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert, muss sein Wesen zuerst erforscht werden.“

Heute gängige Begriffe wie Minimalismus, „weniger ist mehr“ und Schnörkellosigkeit entstammen im designtechnischen Sinne der Bauhaus-Lehre, die erstmals mit konventionellen, meist verschnörkelten und pompösen Designs brach und eine für die Masse der Menschen bezahlbare, effiziente Architektur und Designphilosophie verfolgte. Trotz der Tatsache, dass die Bauhaus-Möbel zur Avantgarde der damaligen Preiskategorie gehörten, waren sie grundsätzlich für die breite Bevölkerung bestimmt. Mit Blick auf den historischen Kontext ist jedoch erkennbar, dass vor allem die Weltwirtschaftskrise 1929 und die zunehmende politische Radikalisierung in Deutschland, welche in der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 gipfelte, die weltweite Popularisierung der Bauhaus-Idee beeinflussten. Mit der Schließung der Hochschule im Jahr 1933 emigrierten auch viele ihrer wegweisenden Persönlichkeiten ins Ausland und führten ihre Arbeit in den folgenden Jahrzehnten fort.

Bauhaus – zeitloses Design auch 100 Jahre nach den Anfängen

Bauhaus Designs zeichnen sich durch ihren schnörkellosen Einsatz von geometrischen Formen, Primär- und Komplementärfarben und ikonischer Materialien aus. Zu den bekanntesten Werken zählen der zeitlose Barcelona Chair (1929) von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich, der durch seine Einfachheit vom ersten Blick als Klassiker identifiziert wurde. Auch die Wagenfeld-Leuchte mit ihrem ikonischen Stahlrohr und der Glashaube wird bis heute produziert.

Nichts macht jedoch die Bauhaus-Philosophie so deutlich wie die Babywiege von Peter Keler (1923), welche durch ihre kräftigen Farben, aber auch ihre Kreise, Dreiecke und Rechtecke auffällt. Auch zeigt der frühe Lattenstuhl von Marcel Breuer aus dem Jahr 1922 durch die Verwendung von Leder bereits den freischwebenden Ansatz, den der später folgende Wassily Chair (1925/26) auf die Spitze trieb. 

Neben einer Vielzahl an Möbeln, Designobjekten und auch Gemälden sind so über die Jahre auch Immobilien unter der Bauhaus-Leitidee entstanden, die den Effizienz- und Einfachheits-Gedanken in die Tat umsetzten. So steht die größte Ansammlung von Wohn- und Gewerbeobjekten mit Bauhaus-Charakter heute in Tel Aviv, Israel, wo sich über 4.000 solcher Gebäude besichtigen lassen. Dass sie heute noch erhalten sind, ist vor allem der UNESCO geschuldet, welche die weiße Stadt Tel Aviv 2003 zum Weltkulturerbe erklärte.